Besuch des ThEGA-Forums 2015

Am Montag, den 20.04.2015 habe ich ab 13:00 Uhr das sogenannte ThEGA-Forum 2015 besucht. Bei der ThEGA handelt es sich um die Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur. Ich habe die ThEGA bisher als landeseigenes Institut wahrgenommen, welches sich primär mit der Förderung der Erneuerbaren Energien und des Vollzugs der Energiewende nach der Blaupause der Altparteien befasst.

Vor dem Hintergrund der bisherigen programmatischen Aussagen der AfD zum Thema „Energiewende“ stehe ich diesem von der ThEGA verfolgten Konzept sehr skeptisch und zurückhaltend gegenüber. Bekanntermaßen vertritt die AfD in Thüringen energiepolitisch die Auffassung, dass die Subventionierung Erneuerbarer Energien in Form des heutigen EEG und die damit verbundenen ideologisch bedingten massive Eingriffe in den Energiemarkt eingestellt werden müssen (selbstverständlich unter Beachtung des Bestandsschutzes für Altanlagenbetreiber) . Nichtsdestotrotz schadet es natürlich nicht, sich mal die Argumente anzuhören, die auf dem ThEGA-Forum 2015 vertreten wurden.

Die ThEGA hatte die Veranstaltung so konzipiert, dass in drei Sälen zu verschiedenen Modulen (neudeutsch „Sessions“) einzelne Vorträge gehalten wurden, so dass man sich faktisch sein eigenes Programm gut zusammenstellen kann. Das habe ich dann auch getan und bin sozusagen von Vortrag zu Vortrag gewandert. Die Qualität und Informationsdichte der Vorträge war nach meiner Wahrnehmung sehr unterschiedlich.

Zuerst hörte ich mir von Frau Prof. Everding einem Vortrag zum energetischen Stadtumbau an. Leider kann ich ein bisschen zu spät, da die Weimarer Innenstadt zurzeit gefühlt komplett umgebaut wird und ich mir erst einmal zeitaufwändig einem Parkplatz suchen musste. Ich gebe zu, dass mich der Vortrag von Frau Prof. Everding nicht vom Hocker gehauen hat. Es wurden verschiedene Projekte vorgestellt, aber neue Erkenntnisse konnte ich nicht gewinnen. Falls sie überhaupt ein paar Bemerkungen zum Dämmwahn und seinen negativen Folgen (ungesundes Wohnklima – Schimmelgefahr; Brandgefahr; Kosten, die sich häufig nicht amortisieren) ausgeführt hat, dann geschah das jedenfalls nicht während meiner Anwesenheit.

Auch der darauf folgenden Vortrag zur Förderinitiative EnEff: Stadt war nach meiner Wahrnehmung wenig informativ. Bevor ich mir im nächsten Vortrag dieser Vorlesungsreihe „Nachhaltigkeitsstrategien für Bauwerke“ hätte erklären lassen müssen – schon beim Lesen der mit allen möglichen Inhalten befüllbaren Marketing-Worthülse „Nachhaltigkeit“ kriege ich allergischen Ausschlag – suchte ich das Weite und wechselte in die Vortragsreihe „Erneuerbare Energien in Thüringen“. Herr Dr. Reinhold von der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft hielt zu diesem Zeitpunkt einen Vortrag über Stand und Perspektiven der Bioenergie in Thüringen – und zwar im Moll. Der Vortrag war recht informativ. Kurz zusammengefasst blieb folgendes bei mir hängen: Im Grunde „ginge noch mehr Bioenergie“ in Thüringen – übrigens auch beim verträglichen Anbau der Energiepflanzen, was mich verwundert hat -, aber spätestens mit der letzten EEG-Novelle ist das Thema in Thüringen erledigt. Die Investoren winken nämlich ab.

Nach diesem Vortrag wechselte ich in das dritte Modul der Veranstaltung, das sich mit der Infrastruktur der Energiewende befasst. Herr Dr. Sturm von der Thüringer Energie AG trug interessante Fakten zu den Schwerpunkten und den Herausforderungen der TEAG vor -so z. B., dass es im Kyffhäuser-Kreis zum Teil zu einer achtfachen Überspeisung im Vergleich zur Netzbezugslast kommt. Dies ist eine Folge der volatile Einspeisung aus Anlagen zur Erzeugung Erneuerbaren Energien, die dank EEG am regionalen Bedarf vorbei geplant und errichtet wurden. Hier haben wir ein schönes praktisches Gegenbeispiel für den Fall, dass Frau Mühlbauer von der SPD oder ihre grünen Kollegen (mit und ohne Binnen-I) wieder mal meinen, man könne den Zubau Erneuerbarer Energien fordern, den Netzausbau mit der Phrase der „dezentrale Erzeugung“ aber einfach wegdiskutieren. Es nützt eben nichts, die „dezentrale Erzeugung“ irgendwo in der Pampa weitab vom Abnehmer zu fördern (wobei ich diese Aussage nicht als Kritik an der Schönheit des Kyffhäuser-Kreises verstanden wissen möchte).

Interessant ist auch die Aussage, dass sich die Aufrufe zur Abriegelung von Energie durch den Übertragungsnetzbetreiber derart deutlich erhöht haben, dass schon jetzt, also im Frühjahr des Jahres 2015, die Zahl der Abregelungsaufrufe von 2014 überschritten wurde. Der Ausnahmezustand wird durch die Erneuerbaren Energien auch in Thüringens Stromnetzen immer mehr zur Regel.

Nach dem Vortrag führte ich noch einige interessante Gespräche mit anderen Teilnehmern, bei denen zum Teil auch Sympathie für die politischen Vorstellungen der AfD zu erkennen waren.

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