Warum ich Rainer Wendt für einen Opportunisten gehalten habe

Rainer Wendt hat einen sehr guten Beitrag für die  Huffington Post geschrieben. Die meisten seiner Beiträge sind gut und viele werden den Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft auch für diesen Blogbeitrag wieder einmal feiern. Das muss einen nicht wundern, denn Rainer Wendt schreibt nicht das typische linke Geschwurbel in den Massenmedien. Seine Texte liegen auch nicht auf CDU/CSU-Linie, die die angeprangerten Umstände sehenden Auges verschuldet und aus machtpolitischem Kalkül bewusst in Kauf genommen haben. Nein, mit seiner Generalkritik liegt er voll auf AfD-Linie.

Ich kann mit Leuten wie Rainer Wendt trotzdem nichts anfangen. Im Grunde liest sich jeder Artikel und hört sich jede Stellungnahme von ihm so an, als sei er der Prototyp des überzeugten AfDlers. Aber dies trifft nur für seine Überzeugungen, nicht jedoch für seine Persönlichkeit zu.

Er wusste vermutlich genauso wie die AfD bereits vor einem Jahr, in welches Chaos unser Land von der etablierten Politik mit der Entscheidung für den Kontrollverlust an den Grenzen gestürzt wurde. Trotzdem erforderte es sein Untertanengeist á la Diederich Heßling, die Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz zu fordern – wohlgemerkt mit Phrasen, nicht mit Argumenten. Vermutlich war ihm dabei bewusst, dass dann die vielen Polizisten, sonstigen Beamten und öffentliche Bediensteten in der AfD gefährdet wären, sie insbesondere berufliche Nachteile befürchten müssten.

Was hatte er uns also konkret vorzuwerfen? Das wir die Ersten waren, die die katastrophalen Zustände in unserem Land angesprochen haben? Das auch mal jemand mit einem unpassenden Plakat oder Ausspruch unter den vielen tausenden Teilnehmern unserer Kundgebungen war? Das mal ein paar Sätze von Gegnern der AfD vorsätzlich in Richtung Nazizeit missverstanden wurden, obwohl sämtliche programmatische Aussagen und sonstigen Positionierungen dies vollständig ausschließen?

Oder war seine damalige Attacke nur der übliche Kotau vor der etablierten Politik, die mit wachsender Angst und Wut das Schwinden ihrer Mehrheitsverhältnisse zur Kenntnis nehmen muss? Schließlich will Wendt mit der Altparteienpolitik, die nach wie vor uneingeschränkt das Sagen hat, im Gespräch bleiben können.

Egal – genau dieser für die CDU/CSU typische „Untertanengeist“ ist es, der viele Menschen in Deutschland das Eine denken und das Andere sagen lässt. Dieser Untertanengeist ermöglicht es einer Bundeskanzlerin, sich trotzt millionenfachem Rechts- und Verfassungsbruch im Amt zu halten – und keiner fordert den Verfassungsschutz auf, endlich Angela Merkel zu beobachten, obwohl deren Politik allein des letzten Jahres offenkundig und tiefgreifend dieses Land im höchst negativen Sinne verändert hat. Dieser Untertanengeist lässt es auch zu, dass ein weiblicher Ex-Stasispitzel mit einer privaten Organisation entgegen dem Grundgesetz die Zensur von Meinungen veranlasst – wohl gemerkt auf Veranlassung der Bundesregierung.

Rainer Wendt trifft sicherlich oft die richtigen Worte, aber das war’s dann auch. Für alles Weitere fehlt ihm der Mut. Von abgefassten Texten allein ist aber noch kein Unrecht behoben, keine Gesellschaft vor chaotischen Umständen und wachsender Unfreiheit geschützt worden. Es braucht eben auch den Mut, auf die Straße zu gehen, den Mut, Fehler zu machen, den Mut dafür diffamiert zu werden und die soziale Ächtung durch Altparteienpolitiker, Kirchen-und Gewerkschaftsvertreter auszuhalten.

Ergänzung vom 23.08.2016: Dem aufmerksamen Leser meines Blogs wird nicht entgangen sein, dass ich die Überschrift dieses Beitrags geändert habe. Ich gebe zu, bei der Abfassung waren mir ein paar wesentliche Fakten noch unbekannt. So wurde mir mittlerweile mitgeteilt, dass Rainer Wendt offenkundig seine Haltung hinsichtlich der AfD revidiert habe. Hierfür spricht tatsächlich einiges. So hat er – insofern durchaus öffentlichkeitswirksam, auch wenn ich es nicht mitbekommen habe – die AfD-Fraktion in Sachsen besucht. Auch in seinem neuen Buch „Deutschland in Gefahr“ hat er sich wohl eindeutig positioniert, wie man einigen Presseberichten nachlesen kann und die dafür unvermeidbare Kritik auf sich gezogen.

 

Stefan Möller

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