Volkstrauertag – oder so …

Ich war heute bei der zentralen Gedenkveranstaltung des Landes Thüringen zum Volkstrauertag in Sömmerda. Volkstrauertag – da gedenkt man der Menschen aus unserem Volk, die an den Fronten und in der Heimat Krieg und Gewalt zum Opfer gefallen sind – dachte ich bisher immer. Bis ich aufgeklärt wurde, das zuerst mal zum sowjetischen Ehrenmal gelaufen wird und dort Blumen niedergelegt werden. Während wir zum Ehrenmal liefen, ging mir durch den Kopf, das es keinen Gedenktag mehr gibt, an dem ausschließlich die Erinnerung an die Opfer unseres Volkes und unserer Soldaten gepflegt wird. Und ich war zu diesem Zeitpunkt ehrlich gesagt ziemlich sauer über diese Planung und Umsetzung.

Angekommen am Ehrenmal wurden kurze Redebeiträge gehalten, unter anderem auch Namen einiger sowjetischer Opfer genannt, die im Kindesalter (vermutlich in Folge von Verschleppung und Zwangsarbeit in Deutschland) ums Leben kamen. Bei mir blieben vor allem die zivilen Opfer im Kopf hängen – vermutlich nicht nur bei mir – und ich denke, dass das auch beabsichtigt war. Als es dann zum Grabfeld der deutschen Opfer ging, habe ich einen kleinen Gedenkblock gesehen – ca. einen Meter hoch mit eisernem Kreuz. Wir liefen daran vorbei – der ist für die Gefallenen von 1813. Die „Prozession“ stoppte vor einem Gräberfeld mit grauen kleinen Grabsteinen – das sowjetische Ehrenmal ist übrigens bestimmt fast vier Meter hoch. Wieder kurze Redebeiträge, diesmal bleiben bei mir die Namen von deutschen Soldaten hängen. Sowjetische Zivilisten, die verschleppt und zur Zwangsarbeit gezwungen wurden einerseits – dann die deutschen Soldaten, die im Kampf gefallen sind andererseits. Hier die Opfer des deutschen Angriffskriegs, da die Folge – tote deutsche Soldaten … Ich empfand diese Schwerpunktsetzung als verfehlt und unangemessen. Ergänzend hierzu gab es natürlich die üblichen Hinweise auf die aktuellen Opfer von Flucht, Vertreibung und „Hetze“.

Eines ist mir wieder mal klar geworden und darüber habe ich mich sehr geärgert:

Ein Gedenken allein an die Opfer unseres Volkes – weit ab vom Heldengedenken vergangener Zeiten, aber auch ohne Instrumentalisierung für politische Zwecke der Gegenwart und vor allem ohne die nervenden, mal direkten, mal indirekten Hinweise nach dem Motto „sowas kommt von sowas“ ist im aktuellen politisch-geistigen Klima ausgeschlossen. Das ist ein pathologischer Zustand, den wir den 68er-Selbsthassern und ihren heutigen Nachbetern zu verdanken haben und den es zu heilen gilt. Wem hilft es denn, wenn man um die Bombenopfer der Flächenbombardements, die hunderttausenden getöteten Zivilisten 1939-1945 und die im ersten und zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten trauert, wenn man permanent gesagt bekommt, dass das alles nur die Folge deutscher Kriegstreiberei gewesen sei? Ich werde dadurch nicht friedlicher, nicht demütiger, nicht verständnisvoller – ich werde da eher stinksauer. Denn ich habe auch die Leichenberge von Dresden oder die Berichte über zivile Opfer des Einmarschs der roten Armee in Ostpreußen im Kopf, die hunderttausenden toten deutsche Kriegsgefangene auf den Rheinwiesen und die Rückkehrerquote aus dem Kriegsgefangenensystem in der Sowjetunion. Vielleicht kommen Spitzenfunktionäre der Altparteien, Kirchen, Gewerkschaften etc. mit diesem Rechtfertigungs- und Verdrängungsmodus besser klar. Ich vermute, das es einem Großteil unseres Volkes eher so geht wie mir.

Ich habe übrigens an beiden Gedenkorten Blumen niedergelegt.

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