Über die drittstärkste Kraft und einen unerfüllbaren Traum

Der Wahltag ist vorüber und alle Parteien kommentieren ihre Ergebnisse. Angela Merkel kann Bundeskanzlerin bleiben, obwohl die CDU/CSU mit -8,5 % im Vergleich zu 2013 herbe Verluste einstecken musste. Alles halb so schlimm im Vergleich zur SPD, die unter dem erst vor wenigen Monaten gewählten Kanzlerkandidaten und strahlendem Stern am SPD-Himmel Martin Schulz mit 20,5 % ihr schlechtestes Wahlergebnis in der Nachkriegsgeschichte einfuhr. Linke und Grüne konnten leicht dazu gewinnen und halten sich bei ca. 9% der Stimmen. Die FDP zieht mit 10,7 % nach 4 Jahren wieder in den Bundestag ein und wird als der große Wahlsieger gefeiert.

Kein Wort über die Partei mit dem größten Stimmengewinn von +7,9 %, der die AfD zum einem Wahlergebnis von 12,6 % und damit zur drittstärksten Kraft in den Deutschen Bundestag führte – zumindest kein anerkennendes Wort. Stattdessen Diffamierung und Verunglimpfung wie eh und je – vermeintlich sachliche Berichterstattung, wie man sie gewohnt ist.

Die Angaben zur Wählerwanderung besagen, dass 35% der zur AfD gewechselten Stimmen von den Nichtwählern oder von bisherigen Wählern kleinerer Parteien kommen. Allein dadurch hat die AfD zur Stärkung der Demokratie beigetragen.

Knapp 6 Millionen Wähler haben der Alternative für Deutschland am 24. September ihre Stimme gegeben. Glaubt man den Medienberichten, sind das 6 Millionen Rechtsextreme und Abhängte unserer Gesellschaft, die die AfD allein aus Protest gewählt haben.

6 Millionen Wähler werden denunziert und beschimpft, unter ihnen ca. 1,1 Mio. Arbeiter (19 %) und über 700.000 Selbständige (12 %), die täglich ihrer Arbeit nachgehen und mit ihren Steuern unserem Staatshaushalt wirtschaften helfen. Darunter Menschen wie Erika Steinbach, die sich nach über 40 Jahren CDU-Mitgliedschaft der AfD zuwandte und diese unterstützte. Darunter Menschen wie der bekannte Professor für Betriebswirtschaftslehre Max Otte, der seine Wahlentscheidung für die AfD öffentlich erklärte.

Man wird sich umstellen müssen im Deutschen Bundestag. Damit sind nicht nur die Debatten gemeint, in denen die AfD-Abgeordneten Klartext reden werden. Manch einer der Abgeordneten der schon länger im Bundestag vertretenen Parteien wird sich neu organisieren müssen. Wie oft zeigte das Bild der flüchtig durch die Stuhlreihen des Sitzungssaales schweifenden Kamera kaum Anwesende während der Debatten aber auch bei wichtigen Beschlüssen und Gesetzesvorhaben.

Jetzt muss die CDU/CSU-SPD-FDP-Linke-Grüne-Einheitsfront ständig wenigstens 93 anwesende Abgeordnete – Dr. Frauke Petry erklärte bereits, der neuen AfD-Bundestagsfraktion nicht angehören zu wollen – aufbieten, damit nicht aus Versehen etwas schief geht und Beschlüsse gefasst werden, die es nicht hätte geben sollen.

Es wird spannend, aber es wäre töricht anzunehmen, dass sich die Schlagzeilen über die AfD kurzfristig ändern werden. Die AfD-Abgeordneten werden ihre Arbeit machen für unsere Bürger und eine gedeihliche Zukunft unseres Landes. Dabei wird diskutiert und um die bestmögliche Lösung gerungen werden. In den Medien heißt es dann wieder: „Die AfD zerlegt sich“ – aber wie lange haben sie davon schon geträumt?

 

Birgit Noll

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